Jubiläum (von George Tabori)
"Ein Friedhof am Rhein, heute, wo die Toten dazu verurteilt sind, sich dessen zu erinnern, was sie lieber vergessen würden, nämlich den achten Kreis der Hölle. Die meisten Witzeerzähler beginnen immer wieder mit "Unterbrechen Sie mich, wenn Sie den schon kennen", aber man kann die Toten nicht daran hindern, ihre Witze wieder und wieder zu erzählen. Die Witze der Toten und ihr Gelächter, nicht das homerische, sondern das bittere, werden als Unterhaltung empfohlen für Nekrophobe, Exorzisten, Gespensterjäger, frustierte Liebende und den Rest der schweigenden Mehrheit. Jeder dieser Witze (oder Berichte) beruht auf Fakten, und mein herzlicher Dank gilt Hanne Hiob für die Zusammenstellung, aber stimmen wir versuchsweise überein, dass ein stockendes Herz, wenn eine Klingel geht, nicht weniger dokumentarisch ist, als das gedruckte Wort." George Tabori
Jubiläum- Pointen über jüdischen Gräbern In diesem runden Jahr 2010 feiern wir zehn Jahre Theaterlabor in Darmstadt. Dabei wollen wir ein Thema aufgreifen, mit dem wir 2000 unsere Arbeit in dieser Stadt begonnen haben: Den Nationalsozialismus und seinen perversesten Auswuchs, die Vernichtung so genannten unwerten Lebens. Der jüdische Autor George Tabori nähert sich diesem Thema mit unvergleichlichem Humor und Tiefsinn...
Inhalt: „In dem Stück wird der Neonazi Jürgen bei einer Grabschändung auf einem Friedhof von den Toten aufgestört: einem Pärchen, dem jüdischen Ehepaar Stern und deren behinderter Nichte Mizzi, die Jürgen in den Selbstmord getrieben hat. Die Leichen erzählen Episoden aus ihrem Leben, reißen Judenwitze, singen Nazilieder. Taboris Humor, seine Kalauer und Schlüpfrigkeiten sind alles andere als politisch korrekt. Aber sie lösen die moralische Verkrampfung, die sich zwanghaft einstellt, wenn sich Deutsche mit der Nazivergangenheit beschäftigen.
Tabori entfesselt unseren Blick auf die Täter und die Opfer, auf ihre gemeinsame Verstrickung und ihre hilflosen Versuche, sich daraus zu lösen. Das ist ein großes, einzigartiges Geschenk des jüdischen Theatermannes an die Nachkommen der Täter...“ Michael Bienert.
Darsteller Nadja Soukup, Stefanie Otten, Eric Haug, Norma Gonzalez- Daniels, Peter Schmidt und ein junger Mann.
Termine NOVEMBER J - Mo 29.11.2010 | 11:00* Theaterlabor Darmstadt Jubiläum (von G. Tabori) J - Di 30.11.2010 | 11:00*Theaterlabor Darmstadt Jubiläum (von G.Tabori)
DEZEMBER J,E - Mi 01.12.2010 | 11:00* Theaterlabor Darmstadt Jubiläum (von G.Tabori) J,E - Mi 01.12.2010 | 20:30 Theaterlabor Darmstadt Jubiläum (von G.Tabori) J,E - Do 02.12.2010 | 11:00 Theaterlabor Darmstadt Jubiläum (von G.Tabori)
Dauer Ca.70 Min.
Preis 13,-/10,-/6,-** Euro
Alter Ab 13 Jahre
Kartenreservierung Tel. 06151-26540 oder per E-Mail
Thema Neonazis, Umgang mit Deutscher Geschichte
Presseartikel Darmstädter Echo Do, 25.03.2010 | Stefan Benz
,,Jubiläum": Grauen aus dem Grabe Die Gruppe Theaterlabor spielt George Tabori auf der Mollerhaus-Bühne Die Dummheit von heute beschwört den Schrecken von gestern: Neonazi Jürgen (Alexander Baab, rechts) bedrängt den Geist des jüdischen Komponisten Arnold (Eric Haug). Szene aus der Theaterlabor-Inszenierung von George Taboris „Jubiläum“. Foto: Christian Gropper
Am Tag vor der Premiere in Darmstadt ist am Aachener Landgericht der ehemalige SS-Mann Heinrich Boere wegen Mordes an niederländischen Zivilisten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Boere ist 88, der ukrainische SS-Scherge John Demjanjuk, dem zurzeit in München der Prozess wegen seiner Taten im Vernichtungslager Sobibor gemacht wird, ist bald 90. Letzte Gelegenheiten, Rechenschaft und Verantwortung von den Tätern zu fordern. [mehr] --------------------------------------
KULTURBLOG der HDa Di, 08.06.2010, Barbara Taylor und Johanna Willimsky Ein schwarzer Vormittag
„Ich wünsche euch nicht unbedingt viel Spaß, aber vielleicht trotzdem gute Unterhaltung“, sagt der Kartenverkäufer und öffnet die Tür zum Saal des Theater Moller Hauses Darmstadt. Was uns gleich erwarten würde, ließen dunkle Wolken an diesem Vormittag schon erahnen: Wer befasst sich in seiner Freizeit schon gern mit den Völkermorden des Zweiten Weltkrieges? George Taboris „Jubiläum“ illustriert die schrecklichen Details in einer Geistergeschichte: Es ist 1983, 50 Jahre nach Hitlers Machtergreifung. Fünf verlorene Seelen finden sich auf einem Friedhof zusammen, um von den grausamsten Episoden ihres Leben zu erzählen. [mehr]
-------------------- * Bei Vormittagsveranstaltungen ist eine telefonische Anmeldung erforderlich. Tel.: 06151 - 26540 oder per E-Mail Die Kindertheatervorstellungen, die um 9 Uhr und um 11 Uhr beginnen sind in erster Linie ein Angebot für Schulklassen, Kindergärten, Hortgruppen und größere Gruppen sind; Einzelbesucher sind jedoch ebenfalls herzlich willkommen! Eine Voranmeldung ist in beiden Fällen unbedingt erforderlich. Ab 10 Personen (ermäßigter Einzeleintritt).
** ermäßigter Preis pro Person, für Gruppen ab 10 Personen
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