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THEATER RAINER BAUER DER WEG ZUM GLÜCK |
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Der Weg zum Glück
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Rasanter Rollenwechsel in 80 Minuten Premiere des Solostücks im Theater Mollerhaus in Darmstadt
Glücksgöttin Fortuna trägt grau. Mit Anzug und Krawatte kommt sie in Gestalt eines faden Männleins daher. So mag man sich klischeehaft einen Steuerbeamten vorstellen. Und das soll Fortuna sein? Das kann ja eigentlich nicht gut gehen. Verzweifelt ist sie, schlenkert hilflos mit den Armen, macht wilde Gesten. Bei den Menschen klappt das mit dem Glück nicht so recht.
Eine reichlich seltsame Fortuna bringt Rainer Bauer da im Mollerhaus auf die Bühne. Am Freitag hatte er mit seinem Solostück „Der Weg zum Glück“ Premiere. Zunächst stand nur das Thema fest. Aus der losen Mixtur von Ideen haben Rainer Bauer und sein Regisseur Konrad Büttner eine Typenkomödie kreiert. Die Rahmenhandlung ist das jährliche Treffen von fünf alten Freunden, die sich bei Kaffee und Kuchen wenig zu sagen haben. Rainer Bauer spielt jeden einzelnen und springt dabei von Stuhl zu Stuhl, trinkt aus jeder Tasse, isst von jedem Tortenstück. „Jedes Jahr das Gleiche“, lässt er eine der Figuren seufzen. Eine kleine Anspielung auf „Dinner for one“.
Glück ist für jeden der Freunde etwas anderes. Franz wird sentimental, wenn er sich an vergangene Bergsteiger-Abenteuer erinnert. Karl erklärt das Glück mit herumschwirrenden Atomen, die nicht mit allen Menschen eine Verbindung eingehen. Nur mit solchen, deren Haut nicht zu dick ist. Thomas sieht es eher nüchtern. Für ihn ist Glück ein Kuchen. Aber richtig gut schmeckt nur das erste Stück, stellt er fest. Beim fünften kehrt das Glück sich ins Gegenteil um. Rainer Bauer steht dabei mampfend vor dem Publikum und verwüstet die hübsche Sahnetorte. Zwischendurch taucht Fortuna kopfschüttelnd auf und heckt neue Pläne aus. Doch den einen Weg zum Glück gibt es nicht. Einer der Freunde findet ihn sogar in der eigenen Verdrießlichkeit.
In Rainer Bauers Einmann-Show wird das Glück in vielen Facetten beleuchtet. Die Aufführung ist voller verrückter Ideen, hinter denen man einen tieferen Sinn suchen kann. An den fünf Freunden zeigt Bauer, wie menschliche Beziehungen zu einer Farce verkommen können, die vom Small-Talk lebt: „Der Kuchen lässt sich aber gut schneiden.“ Hinter der vordergründigen Albernheit steckt immer ein wenig Melancholie. Nachdem es anfangs noch etwas schleppend wirkt, gewinnt die Aufführung mit der Zeit an Fahrt. Rainer Bauer vollführt als eine Art multiple Persönlichkeit 80 Minuten lang einen rasanten Rollenwechsel und es macht Spaß, ihm dabei zuzusehen.
Stefanie Müller Darmstädter Echo vom 29. November 2004
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