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DANKE IN DUR UND MOLL - EINE PARTITUR FÜR CLOWNS |
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Mit der Lupe Warten auf den Bürgermeister: Neues "in Dur und Moll" vom Darmstädter Theater Transit VON FRANK SCHUSTER
Warten ist eine der unangenehmsten Erscheinungen des modernen Lebens. Der Körper sitzt auf einem Stuhl gefangen, in einem Raum, der auch noch als "Wartezimmer" deklariert ist, der Geist jedoch schwirrt ab, zu all dem, was man längst gedachte oder noch vorhat zu tun. In diese unangenehme Situation werden in Danke in Dur und Moll: Eine Partitur für Clowns gleich fünf Menschen versetzt. Und das bloß, weil sich der Bürgermeister verspätet, der die Wartenden für ihr ehrenamtliches Engagement auszeichnen sollte: 25 Jahre Heimatmuseum, 10 Jahre Gewerkschaft, 586 Jugendgruppen auf den Berg geführt... Nutzt alles nichts, das Stadtoberhaupt kommt nicht.
Das Darmstädter Ensemble Theater Transit holt in dem gemeinsam entwickelten Stück aus einem Minimum an Handlung (Warten!) ein Maximum an Spaß heraus (Regie: Ann Dargies). Die Inszenierung legt die Lupe nicht nur auf die Zeit, sondern auch auf die Körper: beeindruckend das mimische Spiel der fünf Darstellerinnen (Anna Zimmer, Bettina Stoltenberg, Angelika Scheidig, Cornelia Hergenröther, Ann Dargies). Clowneske Einlagen - Hüstel- und Kicheranfälle oder ein Reigen aus gegenseitigem Luft zufächeln - wechseln ab mit traurigen Episoden. Bei einer (imaginären) Beerdigung des immer noch nicht angekommenen Bürgermeisters zieht gar vor lauter Vergänglichkeitsgefühlen Weltschmerz auf.
Das Stück beeindruckt mit seinem ständigen Wechsel von Witz und Wehmut, von Dur und Moll, wie es der Titel vorgibt. Der Humor in dem mit nur wenigen Worten auskommenden Stück hebt sich erfreulich von der grassierenden Zutexterei durch "Standup Comedians" ab, die auf schnelle Pointen abzielen; er erinnert an den von Pantomimen und Stummfilmkomikern.
Wie Becketts Godot kommt auch der Bürgermeister bis zum Ende des Stücks nicht, obwohl schon Redefragmente wie "Ehre wem Ehre gebührt" oder "im Sinne des Gemeinwohles" die Runde machen. Zutiefst deutsche Sätze, die in einem Wartezimmer fallen, das mit schwarz-rot-goldenen Grenzpflöcken abgesteckt ist und in dem selbst Plastikblumen Spalier stehen (Bühne, Kostüme: Gila Korflür und Gisela Eitel). Plastik kann warten, Menschen welken.
Frankfurter Rundschau vom 31.12.2005 www.theatertransit.de
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