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STT_LEONCE UND LENA

Michelstädter Gymnasium

Der Prinz im Planschbecken

Alle Darsteller spielen überzeugend
HAPPY END für die Liebe: Leonce (Ronald Jäpel), Lena (Carolin Kloß) und Valerio (liegend Seda Keskinkilic) im Mollerhaus. (Foto: Günther Jockel)
DARMSTADT. Auf einmal musste alles ganz schnell gehen: Vor kaum zwei Wochen bekam die Oberstufen-Theater-AG des Michelstädter Gymnasiums die Mitteilung, dass ihre Truppe nun doch bei den Schultheatertagen in Darmstadt mitspielen kann.
Ursprünglich sollte die Odenwaldschule aus Oberhambach mit einer Shakespeare-Inszenierung den Reigen der Stücke am Montag eröffnen. Weil diese jedoch aus organisatorischen Gründen absagen mussten, ergab sich die Chance für die Michelstädter Version von Georg Büchners „Leonce und Lena“.
Schon seit 11 Uhr sind am Montag die neun Laiendarsteller um die Regisseurinnen Michelle und Veronique Hofmann sowie Techniker Eric Kowalewski im Theater Mollerhaus zugange und treffen letzte Vorbereitungen für ihren großen Auftritt am Abend:

Requisiten werden aufgebaut, das Licht programmiert, ein letztes Mal geprobt. Bis halb vier müssen sie mit allem fertig sein, denn dann treffen sich alle beteiligten Gruppen der diesjährigen Schultheatertage im Staatstheater, wo die Schauspielwoche um halb fünf offiziell eröffnet wird.
„Wir proben jetzt als Erstes die Schlussszene, zieht euch bitte um“, ruft Veronique ihren Darstellern zu und ergänzt: „Bitte, bitte konzentriert euch – es ist die Generalprobe.“ Die Zwanzigjährige und ihre Zwillingsschwester sind ebenfalls noch Schüler und leiten die Theater-AG seit zwei Jahren. Entsprechend gut haben sie ihre Truppe im Griff, Zank und Diskussionen bleiben aus.
Seit Ende 2008 proben sie Büchners Komödie, die politische Verhältnisse anhand zweier Liebender karikiert, die zunächst vor der arrangierten Heirat miteinander fliehen, um sich dann doch ineinander zu verlieben. Die Hofmann-Zwillinge wagen eine moderne Inszenierung:

Berge von Plüschtieren und Gesellschaftsspielen etwa stellen den Überfluss dar, in dem sich die Protagonisten unnachahmlich langweilen. Ein Planschbecken, das mit kleinen blauen Plastikbällen gefüllt ist, wird zum Swimming-Pool, in dem sich Leonce, leidenschaftlich gespielt von Ronald Jäpel (17), in einer Nacht ertränken will. Dabei sei es nicht immer leicht gewesen, die eigenen Ideen in die Tat umzusetzen.

Beispielsweise lassen sie den verwirrten König Peter, gespielt von Rocco Brück, mit zwei Handpuppen anstelle von echten Schauspielern reden: Das schwäbelnde Schwein gibt dabei den Stadtrat, das sächsische Lamm den Präsidenten. Genaugenommen spielt Brück dabei drei Rollen auf einmal.
Aber ebenso wie er meistern alle Darsteller ihre Partie mit Bravour: Ronald Jäpel bedauert sich als Leonce in den höchsten Tönen, wettert lautstark und mit vollem Körpereinsatz gegen den Müßiggang, während Carolin Kloß (16) im pinkfarbenen Chiffonkleid der Lena eindrucksvoll und pathetisch ob der bevorstehenden Hochzeit verzweifelt. Stets an ihrer Seite und nie ohne Lockenwickler: ihre burschikose Gouvernante, gespielt von Jessika Zweier.

Die sechzehnjährige Seda Keskinkilic wirbelt derweil als nimmermüder und dennoch hochgradig arbeitsscheuer Valerio in riesigen Clownsschuhen wie ein Derwisch um Leonce herum. Sina-Laura Schiere (17) überzeugt als Rosetta, die Leonce im seidenen roten Spitzenfummel katzengleich umgarnt.
Am Ende der Generalprobe ist das Regisseurinnen-Duo zwar nicht ganz zufrieden: „Es war ein wenig lahm, ihr müsst schneller werden“, meint Veronique. Zuversichtlich, dass beim Auftritt um 18 Uhr alles glatt geht, sind sie dennoch: Der Text sitzt schon gut, und der richtige Schwung komme bestimmt, wenn erst das Publikum auf den Rängen sitzt. Barbara Gensheimer
22.6.2009




Nachbarn entdecken Nähe: Schultheaterwoche 2009 | 14 Inszenierungen an fünf Tagen

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