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SCHAUM IM FRISCHEN WIND
 

Schaum im frischen Wind
Diskussion: Der Darmstädter Oberbürgermeister Walter Hoffmann kündigt eine Überprüfung der Kulturausgaben an und verlangt Mut zu unangenehmen Entscheidungen

DARMSTADT. Wenn es um Kultur geht, reden alle vom Sparen. Walter Hoffmann nicht. „Wir haben genügend Geld in der Stadt für Kultur“, sagte der Darmstädter Oberbürgermeister und Kulturdezernent am Freitag im Mollerhaus. Aber er sieht Einrichtungen, bei denen geprüft werden müsse, ob sie ihre Mittel sinnvoll einsetzten. „Wenn man das ernsthaft macht und daraus die Konsequenzen zieht, hätte man plötzlich sehr, sehr viel Geld zur Verfügung“, sagte Hoffmann kämpferisch und forderte „ehrliche, selbstkritische Diskussionen“ der Kulturmacher. Ohne konkret zu werden, sprach er von „unangenehmen Entscheidungen“, die Mut erforderten. Nur das Staatstheater nahm er ausdrücklich aus. Alle anderen Einrichtungen, die im Kulturetat der Stadt Darmstadt auftauchen, dürften sich nun Gedanken darüber machen, wen Hoffmann gemeint haben mag.

„Frischer Wind für die freie Szene“ war eine Diskussion überschrieben, in der es vor allem um jene 22 Gruppen und Künstler ging, die sich im Verein Mollerhaus zusammengeschlossen haben und auf diesem Weg von der Stadt Darmstadt unterstützt werden. Dass diese Unterstützung größer sein müsste, darüber war die Einigkeit schnell hergestellt. Es war allerdings ein Nachmittag, an dem sehr unterschiedliche Zahlen und Rechenmodelle vorgetragen wurden. Walter Hoffmann rechnete am Freitag vor, dass 10,4 Prozent des gesamten städtischen Etats für den öffentlichen Kulturbereich aufgewandt würden, Max Augenfeld vom Theaterlabor erzählte hingegen von Schauspielern, die so wenig Geld verdienten, dass sie sich noch nicht einmal eine Krankenversicherung leisten können.

Rund 160 000 Euro der Stadt kommen beim Verein Mollerhaus an, und wenn sie sich auf die einzelnen Mitglieder verteilen, bleibt nicht mehr viel übrig. „Es tut sich zu wenig“, klagte Thomas Best vom Kindertheater „Die Stromer“. Immerhin hat das Mollerhaus seit wenigen Wochen zwei hauptamtliche Kräfte, die sich um Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit kümmern.

Das ist zu wenig, befindet Gordon Vajen, Leiter des Theaterhauses Frankfurt. Vajen hatte im vergangenen Jahr eine Bestandsaufnahme der Leistungen im Mollerhaus erstellt. Seiner Ansicht nach muss die Bühne auch mit festem Personal für die Technik ausgestattet werden: „Nur wenn das Haus professionalisiert wird, kann man sich besser um die Kunst kümmern.“ Vajen teilt Hoffmanns positive Einschätzung der Finanzen: „Es gibt in diesem Kulturhaushalt genügend Schaum auf dem Bier.“

Weil aber offen blieb, wessen Schaum umverteilt werden sollte, blieb es bei einer sehr harmonischen Debatte. Michael Siebel, SPD-Landtagsabgeordneter und Kultursprecher seiner Fraktion, riet Theatern zu einem populäreren Programm, die Darmstädter SPD-Stadtverordnete und Kulturausschuss-Vorsitzende Dagmar Metzger erinnerte daran, dass Kunst sich nicht immer rechnen könne. Aus dem Publikum meldete sich Jürgen Barth und riet den Kulturinstituten, ihre Einnahmen zu steigern, wie es ihm in der Bessunger Knabenschule gelungen sei, während Jörg Dillmann von „Uffbasse“, der ebenfalls als Besucher gekommen war, davon erzählte, dass die Geldnot in der Oetinger Villa durchaus zur wohltuenden Solidarität in der Selbsthilfe geführt habe. „Es kann nicht alles von der Stadt bezahlt werden“, sagte Dillmann, und der Oberbürgermeister nickte.

Weil das Gespräch eine Veranstaltung des sozialdemokratischen „Forums für Kunst und Kultur“ war, fehlten die Vertreter anderer Parteien auf dem Podium. Sonst wäre es wohl auch zu größeren Kontroversen gekommen. In einer Pressemitteilung hatte sich zuvor die Fraktion Offenes Darmstadt zu Wort gemeldet und beklagt, dass die Lage der freien Szene in einer Parteiveranstaltung diskutiert werde und nicht im Kulturausschuss.

job
12.11.2005




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