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NEUE AERA
 

Neue Ära im Mollerhaus
Freie Szene: Öffentlichkeitsarbeit und Organisation werden durch zwei neue Mitarbeiterinnen professionalisiert – Kinder- und Jugendprogramm soll ausgebaut werden

DARMSTADT. Das Theater Mollerhaus hat seit 1. August dieses Jahres zwei Mitarbeiterinnen für Organisation und Öffentlichkeitsarbeit. Dies teilte am Freitag Thomas Best mit, der Vorsitzende des Vereins Freie Szene Darmstadt, der das Theater betreibt. Bisher waren Büroarbeiten und Organisation ehrenamtlich oder auf Stundenbasis erledigt worden. Nun habe eine „neue Ära“ begonnen, sagte Best. „Es war ein langjähriger, schwieriger Prozess der Professionalisierung.“

Schon bei der Verabschiedung des Haushalts Ende 2004 seien im Kulturetat 25 000 Euro für Personalausgaben des Theaters Mollerhauses vorgesehen gewesen, berichtet Best. Dieser Posten wurde wieder gestrichen – „eine Hiobsbotschaft für uns“, mit der Best zeitweise die Existenz des Theater Mollerhauses gefährdet sah. Nach vielen Hintergrundgesprächen habe man es geschafft, zwei halbe ABM-Stellen befristet auf zwei Jahre einzurichten. Finanziert werden sie mit 1200 Euro monatlich von der Agentur für Arbeit. Die Stadt Darmstadt steuere 16 000 bis 18 000 Euro jährlich aus dem Beschäftigungsfonds bei. Ziel sei jedoch, diese Beschäftigungen langfristig in feste Stellen umzuwandeln.

Lilian Jüchtern (35) wird sich in Zukunft um Öffentlichkeitsarbeit und Kontakte zu Schulen, Institutionen und Kindereinrichtungen kümmern. Sie hat Architektur und visuelle Kommunikation studiert und war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Darmstadt. Das Theater soll „Schulen und Kindergärten einen anderen Blickwinkel in der pädagogischen Arbeit geben“, wünscht sie sich. Sozialarbeiterin Iris Dassler (42) ist zuständig für die Theater- und Büroorganisation. Sie hat viele Jahre ehrenamtlich Veranstaltungen organisiert.

Aber nicht nur personell gibt es Änderungen: Statt eines Halbjahresprogramms wird es nun alle zwei Monate ein Faltblatt geben, das über die Veranstaltungen informiert, aber auch jeweils eine der über 20 freien Theatergruppen vorstellt, die in dem Verein Freie Szene Darmstadt organisiert sind. Zudem wird halbjährlich eine Übersicht über das Kinder- und Jugendprogramm erscheinen. Gerade das Kinder- und Jugendtheater wolle man ausbauen, sagte Best. „Das Staatstheater bietet in dieser Hinsicht wenig an“. Er hofft zudem, die Auslastung zu erhöhen. Ab Januar sollen Schwerpunkte im Programm gesetzt werden. Im ersten Halbjahr 2005 waren die 90 Plätze bei insgesamt 62 Veranstaltungen zu durchschnittlich 66 Prozent ausgelastet.

Für das Theater Mollerhaus sei nun einiges erreicht worden, sagt Best. Jetzt gelte es, „für die Zukunft etwas anzustoßen“, um die freie Theaterszene zu unterstützen. Als ein Vertreter der Szene machte Max Augenfeld vom Theaterlabor auf die mangelhaften Arbeitsbedingungen aufmerksam: „Der Wille der Stadt ist da“, sagte er, aber zwei neue Stellen könnten beispielsweise Raumprobleme seiner Gruppe nicht lösen. Birgit Nonn vom Kindertheater „Die Stromer“ wies auf das Problem der mangelnden Planungssicherheit hin. Man wisse erst spät, ob Zuschüsse für ein Projekt wirklich bewilligt werden. Derzeit gibt die Stadt rund 168 000 Euro für freie Kulturinitiativen. Für die Projektförderung einzelner Gruppen stehen der Freien Szene selbst 26 200 Euro zur Verfügung. Eine Pauschale von rund 39 000 Euro ist für Ausgaben wie Strom und Heizung oder Hausmeistertätigkeiten vorgesehen.

Oberbürgermeister Walter Hoffmann nannte das Theater Mollerhaus ein „Kleinod in der Stadt“, das gepflegt werden müsse. Er wolle solche Initiativen „auch in schwierigen Zeiten unterstützen“, wies aber zugleich auf die knappen Mittel hin. Hoffmann plädierte dafür, Fördermittel gezielter einzusetzen. Nicht alles sei auch förderungswürdig.

Die finanzielle Situation wird auch Thema sein bei der Diskussion „Frischer Wind für die Freie Szene Darmstadt“ am 11. November um 15 Uhr. Bis Ende des Jahres stehen noch 83 Veranstaltungen auf dem Programm, 41 davon für Kinder. Am Dienstag (27.) hat das Stück „gestrandet“ mit dem Theaterlabor Premiere. Am 6. Oktober um 20.30 Uhr ist die Abendpremiere von „Pinocchio“ mit dem Theater Lakritz.

cn
24.9.2005




gestrandet | Pinocchio - nach Carlo Colodi

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